ndamokung suh

Sebastian Vollmer kritisiert Ndamokung Suh für Spielweise

“German Champion: Die Geschichte meiner NFL-Karriere” – so lautet der Titel des Buches von Sebastian Vollmer, dem deutschen NFL-Ex-Profi. Was erwartet den Leser? Hier meine Buch-Kritik.

Sebastian Vollmer ist unter die Autoren gegangen: Der ehemalige NFL-Profi (von 2009 bis 2015 bei den New England Patriots) schildert auf 190 Seiten die Geschichte seiner Karriere. Ich hatte das Buch innerhalb von zwei Tagen durch, es liest sich flott weg. Hier ein paar Einblicke in Vollmers Buch:

Verletzungen

Gebrochene Beine, Rückenverletzungen, Schulter: Vollmers Krankenakte ist dicker als ein Playbook. Er musste sich in seiner Karriere mehrfach operieren lassen, viel Reha machen. Vollmer schildert, wie sich seine Verletzungen negativ auf den Alltag auswirken. Er spielte oft mit den Schmerzen, doch irgendwann war es ihm zu fiel. Vollmer schreibt: “Es vergeht auch heute noch kein Tag, an dem ich keine Schmerzen habe.”

Funfacts

Sebastian Vollmer baut in seinem Buch zahlreiche Anekdoten ein, die einen als Football-interessierten Leser schmunzeln lassen. So verpasste er zum Beispiel das entscheidende Play im Super Bowl gegen die Seattle Seahawks (Pass in die Endzone, Patriots mit der Interception). Beim Gewinn seines zweiten Super-Bowl-Rings war er verletzt, schaute das Spiel auf einem Hotel-Fernseher. Dass Quarterback Tom Brady auch der Backup-Holder beim Fieldgoal ist, war mir ebenfalls neu.

Einblicke bei den Patriots

Sebastian Vollmer beschreibt an mehreren Stellen, wie Patriots-Trainer Bill Belichik so tickt. Es wird bestätigt, dass der Coach tatsächlich keinen Humor hat. Vollmer beschreibt aber auch Trainingsmethoden von Belichik. Da ist – wie im gesamten Buch – nichts Skandalöses dabei, aber interessant ist es allemal. Hängen geblieben ist bei mir zum Beispiel das “Slip and Slide”. Bei dieser Patriots-Tradition wird der Rasen stundenlang nass gemacht. Die Rookies müssen dann im Schlamm und in voller Montur üben, Fumbles zu recovern.

Vollmer schreibt auch über Quarterback-Superstar Tom Brady: Es geht unter anderem darum, wie schnell Brady ein Bierglas leeren kann (sehr schnell, bester seines Teams) und wie krass er sich vorbereitet. Das ist zwar nicht neu, aber bestätigt immerhin das Bekannte. So war Brady zum Beispiel nach der Super-Bowl-Niederlage gegen die New York Giants nicht aus Frust feiern, sondern zog sich alleine in sein Hotelzimmer zurück und schaute Video-Material dieser Partie.

Arbeitseinstellung, Druck in NFL

Zu diesen Themen steht in dem Buch viel Erwartbares: Vollmer berichtet über den Druck in der NFL. Und: Talent sei nicht alles, harte Arbeit sei wichtig. Das gilt für alle Leistungssportler, hat mich beim Lesen jetzt nicht überrascht.

Kritik an Gegenspieler

“Ich hatte in meiner Karriere einige Gegenspieler, deren Art und Weise zu spielen mir überhaupt nicht gefiel”, schreibt Sebastian Vollmer – und wird dann auch konkret. Es fällt der Name Ndamukong Suh, früher Defensive Tackle bei den Detroit Lions und den Miami Dolphins, nun bei den Los Angeles Rams. Suh ist einer der besten NFL-Profis auf dieser Position. “Allerdings ist er in der kompletten NFL dafür bekannt, sich in Spielen mit seinen Aktionen immer ganz nah am Rande der  Legalität zu bewegen”, schreibt Vollmer. “Suh trat seinen Gegenspielern, wenn sie auf dem Boden lagen, auch gerne mit seinen Stollenschuhen auf die Finger oder sprang ihnen nach einem beendeten Spielzug mit voller Absicht in die Knie.”

Fazit

In “German Champion” ist manches, was Vollmer schreibt, erwartbar. Was dagegen seine persönliche Verletzungen und die damit verbundenen Probleme (sportlich und im Alltag) angeht, bekommt der Leser einen tiefen Einblick. Die zahlreichen Anekdoten zu Vollmers Karriere und rund um die New England Patriots sind für NFL-Fans sehr interessant. Ein Enthüllungsbuch braucht der Leser aber nicht zu erwarten. Das Buch ist auch für Einsteiger geeignet, die sich bisher kaum oder wenig mit der NFL beschäftigt haben.

Fakten zum Buch: “German Champion”, von Sebastian Vollmer. Erschienen im Riva-Verlag. Seiten: 191. Kosten: 19,99 Euro. 

Hinweis: Ich habe das Buch für diese Rezension nicht vom Verlag bekommen, sondern mir selbst gekauft.

Titelfoto: “Ndamokung Suh” von Keith Allison / Lizenz: CC BY-SA 2.0