„Payton and Brees“: Mausefallen in der Kabine als Motivationsstrick

Saints-Quarterback Drew Brees hat 2021 seine Karriere beendet. Ein Jahr später hört auch der langjährige New-Orleans-Coach Sean Payton auf. Zusammen prägten die beiden eine Ära in der NFL! Jeff Duncan untertitelt sein BuchPayton and Brees“ mit dem Zusatz: „The Men who built the greatest Offense in NFL History“. Schonmal von Tom Brady und Bill Belichick gehört? Nun ja, Superlative sind ja auch immer Ansichtssache.

Ein Quarterback muss eine Defense lesen. Als Literatur-Quarterback lese ich auch – und zwar Bücher über American Football. Ein Quarterback hat bei gewissen Plays mehrere Reads – also Optionen, was er mit dem Football tun kann. Ich gehe als Literatur-Quarterback bei meinen Buchkritiken vier Reads durch und tauche dabei immer tiefer ein.

First Read: Die Daten zu „Payton and Brees“

  • Titel: Payton and Brees – The Men who built the greatest Offense in NFL History
  • Autor: Jeff Duncan
  • Seiten: 292
  • Jahr: 2021
  • Sprache: Englisch
  • Verlag: Triumph Books
  • Preis: 16,99 €

Second Read: Darum geht es bei „Payton and Brees“

Jeff Duncan beschreibt die Erfolge und Beziehung zwischen Sean Payton und Drew Brees, sowohl auf persönlicher als auch auf beruflicher Ebene. In der Mitte des Buches gibt es auf acht Seiten hochwertige Farbfotos der beiden NFL-Stars. Sehr gelungen sind die immer wieder kehrenden Spielberichte, die unter dem Titel „Dome-Ination“ (eine Anspielung an das Stadion der Saints) daherkommen.

Third Read: Mäusefallen und Gastanks in der Kabine

Ein Grundsatz im American Football lautet, es beim Playcalling so einfach wie möglich halten. Bei den New Orleans Saints entwickelte sich das unter Payton und Brees allerdings ganz anders! Die Ansage der Spielzüge bestand nach ein paar Jahren der Zusammenarbeit aus zehn bis zwölf Wörtern. Ein Beispiel:

Bunch Right Tare Slash 37 Weak F Kill Q8 Solid Z Speed Smash

Ganz schön komplex! Warum es für die Saints trotzdem funktionierte? Weil Drew Brees ein verdammt cleverer Quarterback ist und das System in- und auswendig konnte. Fiel Brees aus und musste ein Ersatz-QB ran, mussten die Play-Calls vereinfacht werden.

Der Leser erfährt außerdem, was für ein schlechter Verlierer Drew Brees ist, selbst bei total banalen Dingen. Beim Fischen zum Beispiel waren die Mitspieler so genervt, dass sie die Fisch-Schwärme mit ihren Booten absichtlich zu ihrem Quarterback trieben, damit dieser am meisten erbeuten konnte und das Team so seine Ruhe hatte.

Sean Payton gilt als Motivationskünstler. Im Buch erfährt man, wie er seine Mannschaft immer wieder aufs Neue pushen konnte. So verteilte der Coach nach einer Siegesserie Mausefallen mit Käse in der Kabine. Seine Nachricht: „Don’t eat the cheese“, womit er in etwa sagen wollte: „Bilde dir auf die Siegesserie ja nicht sein“. Genial auch, als er leere Gastanks seinen Spielern in die Spinde stellte und sie so daran erinnerte, dass die Saison lang ist und sie ihre Kräfte einteilen sollten.

Fourth Read: Für wen ist „Payton and Brees“ geeignet?

Der Autor hat mir persönlich zu sehr die Fanbrille auf (Duncan schreibt als Kolumnist für „The New Orleans Times-Picayune/Advocate“). Kein kritisches Wort zum Beispiel über den Bountygate-Skandal.

„Payton and Brees“ liest sich flott weg und der Autor verrät das ein oder andere interne Detail, das ich so noch nicht auf dem Schirm hatte. Taktische Grundkenntnisse sollte der Leser auf der Pfanne haben, sonst wird er sich an manchen Stellen schwertun. Das Buch ist insgesamt eher was für Saints-Fans.

Hinweis: Der Verlag hat mir kein Rezensions-Exemplar zur Verfügung gestellt.

Foto: C. Höb