Einblicke in das knallharte Quarterback-Geschäft

Es ist die wichtigste Position im American Football: der Quarterback. Viele junge QBs wollen es in die NFL schaffen. Daraus ist schon seit Längerem ein Geschäft entstanden. Einblicke gibt Bruce Feldman in seinem Buch „The QB – The Making of modern Quarterbacks“.

Ein Quarterback muss eine Defense lesen. Als Literatur-Quarterback lese ich auch – und zwar Bücher über American Football. Ein Quarterback hat bei gewissen Plays mehrere Reads – also Optionen, was er mit dem Football tun kann. Ich gehe als Literatur-Quarterback bei meinen Buchkritiken vier Reads durch und tauche dabei immer tiefer ein.

First Read: Die Daten zu „The QB – The Making of modern Quarterbacks“

  • Titel: The QB – The Making of modern Quarterbacks
  • Autor: Bruce Feldman
  • Seiten: 308
  • Jahr: 2015
  • Sprache: Englisch
  • Verlag: Three Rivers Press
  • Preis: 15,18 €

Second Read: Darum geht es bei „The QB“

Genau um das, was der Titel verspricht: Wie werden junge Quarterbacks gemacht? Dahinter steckt eine ganze Industrie und sehr viel Geld. Autor Bruce Feldman erklärt an zahlreichen berühmten Beispielen, wie zum Beispiel Drew Brees und Johnny Manziel, wie junge QBs auf die NFL vorbereitet werden sollen. Am Ende des Buches gibt es auf acht Seiten ein Register mit Namen und Seitenverweisen, falls man etwas nachschlagen möchte.

Third Read: 700 Dollar die Stunde fürs Quarterback-Training

Wer es als Quarterback in die NFL schafft, hat ausgesorgt. Selbst ein Ersatzmann verdient gutes Geld. Kein Wunder also, dass es zahlreiche Angebote gibt, die College-QBs den Sprung in die Profi-Liga erleichtern wollen. Billig ist das nicht, wie man sich denken kann. Feldman nennt konkrete Zahlen: Schon 1994 kostete an der Air 7 Quarterback Academy eine Stunde 700 Dollar, mache Eltern zahlten 10.000 Dollar im Monat für Privatstunden. Irre Summen!

Feldman beschreibt auch Trainingsmethoden, zum Beispiel von George Whitfield, der sich selbst „Quarterback-Macher“ nennt. Er benutzte einen Rechen, um den jungen Ben Roethlisberger zu mehr Beinarbeit zu zwingen und bewarf den QB dabei mit Volleybällen. Diese sollen den Druck der Defense simulieren. Keiner der Kritiker lachte mehr über diese Methoden, als Roethlisberger es in die NFL schaffte, heißt es in dem Buch.

Und in der NFL hört die Quarterback-Arbeit natürlich nicht auf. Die Chargers zum Beispiel legten einen Kameramann vor den Center und einen hinter ihren damaligen Star Philip Rivers. Gefilmt wurde durch die Beine des Quarterbacks, um neue Perspektiven und Erkenntnisse zu bekommen. Und das 90 Minuten pro Woche.

Fourth Read: Für wen ist „The QB – The Making of modern Quarterbacks“ geeignet?

Ganz ehrlich: die ersten 100 Seiten waren ein Krampf, ich hätte das Buch fast nicht weitergelesen. Viel zu viel Blabla und absatzweise langweilige Zitate. Aber ich bin froh, dass ich es durchgezogen habe – sonst hätte ich was verpasst. Die Einblicke in die Arbeit der QB-Camps wie zum Beispiel „Elite 11“ von Trent Dilfer und anderen Ausbildungsstätten, die College-QBs den Sprung zum Profi erleichtern sollen und die der NFL-Teams mit ihren Quarterbacks sind super interessant. Denn der Autor nennt nicht nur Fälle, bei denen der Traum vom Profi-Dasein klappt, sondern schreibt auch über die Schattenseiten und Abgründe dieses knallharten Business.

Hinweis: Der Verlag hat mir kein Rezensions-Exemplar zur Verfügung gestellt.

Foto: C. Höb