Aaron Rodgers Green Bay Packers

Wie man als Kommentator schwierige Live-Situationen meistert

Als Live-Kommentator kann ich noch so gut vorbereitet sein – manchmal kommt es zu schwierigen Situationen. Dann heißt es: improvisieren und spontan sein! So wie beim Heimspiel der Berlin Adler gegen die Hildesheim Inavders.

Dabei verletzte sich ein Spieler der Hildesheimer schwer, das Spiel musste für etwa 20 Minuten unterbrochen werden. Die ersten Minuten waren kein Problem, was die Berichterstattung angeht. Beim Radio-Livestream muss ich das Bild beim Hörer erzeugen, darum habe ich einfach die Situation beschrieben.

Doch das geht natürlich nicht für 20 Minuten. Darum musste ich improvisieren. Zunächst habe ich mich auf das Sportliche konzentriert. Zusammen mit meinem Co-Kommentator Erik Seewald haben wir ein kleines Zwischenfazit der Partie gezogen und ein paar Statistiken geliefert.

Im Zweifel braucht es einen Jan

Anschließen sind wir kurz zurück zu dem verletzten Spieler gekommen (”Liegt immer noch auf dem Rasen”) und dann hatte ich die Idee, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten: “Erik, was macht das mit dir als Spieler, wenn du siehst, dass einer offensichtlich schwer verletzt ist? Wie schaffst du es, das nicht an dich ranzulassen?”, habe ich den Experten gefragt. Auch damit ließen sich nochmal ein paar Minuten füllen.

Das war dann aber immer noch nicht genug. Nächster Schritt: Zwischenergebnisse durchgeben. Nochmal eine Minute gefüllt. Und weil die Partie auch zu diesem Zeitpunkt nicht wieder aufgenommen wurde, habe ich wirklich improvisiert und mir Jan Sawicki rangeholt.

Der liebe Jan saß an dem Tag hinter mir, er macht bei den Adler-Heimspielen den Live-Ticker. Ich hab ihm dann einfach ein Headset in die Hand gedrückt und mit ihm über den Ticker gesprochen und noch einen kurzen Abstecher in die NFL gemacht (er ist 49ers-Fan). Wenn Jan nicht mitgemacht hätte, wäre ich aufgeschmissen gewesen – aber der Mann ist halt ein cooler Typ und hat mir aus der Patsche geholfen.

Lieber nicht abschweifen

Eine schwierige Live-Situation kann aber auch anders daherkommen – zum Beispiel in Form eines einseitigen (und somit langweiligen) Spielverlaufs. Ich kenne Kollegen, die dann gerne abschweifen und persönliche Erlebnisse erzählen, die zwar mit der Stadt, aber nichts mit dem Football zu tun haben. Ihre Begründung: “Das wollen die Leute in solchen Momenten hören.”

Ich persönlich halte davon gar nichts. Mein Tipp: Immer schön beim Football bleiben und nicht versuchen, künstlich Spannung aufzubauen. Das Spiel ist langweilig? Dann ist dann so. Aber vielleicht probiert ein Team noch einen Trickspielzug oder etwas ähnlich Spektakuläres.

Fehler eingestehen und korrigieren

Football ist ein schnelles Spiel, und als Radio-Kommentator steht mir keine Zeitlupe zur Verfügung. Da passiert es schonmal, dass ich mich irre – zum Beispiel bei der Länge der erzielten Yards. Mein Experte Erik Seewald korrigiert mich dann immer, und das ist auch gut so. Ich erzähle ja nicht absichtlich Quatsch.

Bei dem bereits erwähnten Adler-Spiel gegen die Invaders habe ich mehrmals die Hildesheimer als Kieler bezeichnet. Mir ist es immer aufgefallen, ich habe mich sofort korrigiert. Als es allerdings zum fünften Mal passiert ist, habe ich mich selbst auf den Arm genommen: “Was habe ich denn heute mit den Kielern? Die Adler-Klatsche gegen sie hat sich wohl in mein Gehirn eingebrannt.”

Hass-Mails oder schlechtes Feedback wegen der Versprecher hat mich von Seiten der Invaders bis heute nicht erreicht. 😉

Titelfoto: Aaron Rodgers and Donald Driver 2 von Elvis Kennedy, Lizenz CC BY-NC-ND 2.0