German Bowl 2017

Besser kannst du (fast) nicht für deutschen Football werben

Ein Punkt hat im Finale der deutschen Football-Meisterschaft (German Bowl) den Unterschied gemacht. Die Entscheidung fiel in den letzten Sekunden des Spiels. Die Begeisterung hierzulande wächst schon länger – doch bisher nutzen Verband und Vereine das nicht aus, um die Sportart aus der Nische zu bringen.

Es war ein hässliches, aber sehr unterhaltsames Spiel: Mit 14:13 haben die Schwäbisch Hall Unicorns im German Bowl 2017 die New Yorker Lions aus Braunschweig geschlagen. Das Team aus Süddeutschland sicherte sich damit die deutsche Meisterschaft der German Football League (GFL), der höchsten deutschen Spielklasse im American Football. Der Dauerregen im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark prägte das Spiel, die Footballer rutschten reihenweise aus, Pässe fangen war für die Spieler schwieriger als sonst. Die Folge: zahlreiche Ballverluste und Turnover.

Das machte die Partie unberechenbar – und verdammt spannend. Zu den Highlights gehörten unter anderem aber auch ein 50-yard-Touchdown-Pass sowie die Fieldgoals, die verschossen oder geblockt wurden. Die Entscheidung fiel dann in den letzten Sekunden des Spiels:

Klar, vom Niveau her kommt der deutsche Football lange nicht an die NFL heran. Hierzulande ist die GFL immer noch Amateursport, in der Regel bekommen nur die Import-Spieler ein Gehalt. Aber dieser German Bowl war eine tolle Werbung in eigener Sache. Besser kannst du dir das als Verband nicht wünschen. Jetzt muss der American Football in Deutschland e.V. (AFVD) das aber auch nutzen!

Der deutsche Football könnte nämlich schon viel weiter sein. Seit ProSiebenSat.1 (#ranNFL) sich vor Jahren die Rechte an NFL-Übertragungen gesichert hat, wird die Sportart in Deutschland immer berühmter. Auch der ein oder andere Verein merkt das, doch es fehlt das Gesamtkonzept. Meiner Meinung nach gibt es zum Beispiel viel zu wenig Synergien zwischen dem Verband und den Vereinen. Viele GFL-Klubs bieten beispielsweise Radio- und Video-Livestreams an, doch auf der Homepage der Liga gibt es keine Übersicht, auch auf den Social-Media-Kanälen der GFL wird das Angebot der Klubs nicht verbreitet.

Football-Welle nutzen, bevor sie vorbei ist

Wer sich für die GFL interessiert und neu ist, aber nicht weiß, wo er nachschauen muss (zum Beispiel auf den Webseiten der jeweiligen Klubs), verliert das Interesse. Mich haben schon mehrere Leute angesprochen, denen es so ergangen ist. Aber auch die Vereine müssen mehr leisten. Berlin zum Beispiel hatte in der abgelaufenen Saison gleich zwei Teams in der ersten Football-Bundesliga, die Adler und die Rebels. Es gag aber keine Plakate in der Stadt, die auf das nächste Heimspiel hingewiesen haben.

Die deutsche Liga gehört aus sportlicher Sicht zu den stärksten in Europa. Das macht sie attraktiv für neue Fans. Beim German Bowl waren immerhin 13.500 Leute im Stadion (18.000 hätten reingepasst). Doch wenn Verband und Vereine die derzeitige Football-Welle, auf der Deutschland auch dank der #ranNFL-Übertragungen reitet, nicht nutzt, wird der Sport hierzulande immer das bleiben, was er ist: eine verdammt kleine Nische.

Titelfoto: Christian Höb