Rams

“Die Rams brauchten einen Neustart”

Wie das leider so ist, recherchiere ich als Journalist vieles, was es dann (aus den verschiedensten Gründen) nicht in den Artikel schafft. Dieses Interview möchte ich euch aber nicht vorenthalten, darum habe ich es auf meinen Blog gepackt.

Im Rahmen einer Geschichte für Zeit Online habe ich mit einem Rams-Fan gesprochen: Luis Dubreil, 18 Jahre alt und Student aus Frankfurt. Er hat die Facebook-Seite Los Angeles Rams Germany mitbegründetLuis war 2016 in London beim Spiel der Rams gegen die New York Giants und hatte zufällig von einem Fantreffen der Rams gelesen. Er schaute vorbei und traf dort unter anderem den Gründer einer englischen Facebook-Seite für Rams-Fans. So kam Luis auf die Idee für die deutsche Facebook-Seite.

Im Interview spricht Luis über die Konkurrenz der Rams und Chagers in L.A. sowie dem Umzug der Rams in die “Stadt der Engel”.

Wie siehst du Umzug der Rams von St. Louis nach Los Angeles?

Luis Dubreil: Ich war zunächst dafür, dass sie in St. Louis bleiben. Jetzt muss ich sagen: Es war richtig, umzuziehen. Die Rams hatten 2014 und 2015 zusammen mit den Oakland Raiders die wenigsten Besucher in der NFL. Im Schnitt waren es etwa 62.000 pro Heimspiel. Zum Vergleich: 2016 waren es bei den Rams in L.A. durchschnittlich mehr als 70.000. Der Umzug hat also Sinn gemacht.

Die Rams haben in den vergangenen zehn Jahren unten rumgegurgkt. Der Umzug war richtig, weil das Team einen Neustart brauchte. St. Louis ist keine attraktive Stadt… Los Angeles dagegen ist die zweitgrößte Stadt in den USA, dort gibt es gutes Wetter, viel Strand… Wenn ein Superstar Free-Agent wird und überlegt: ‘Wohin kann ich wechseln?’ – dann ist Los Angeles sehr attraktiv.

Aber die Rams kämpfen nun mit den Chargers um gute Spieler.

Luis Dubreil: Was ich beim Umzug der Chargers komisch finde: Es heißt immer ‘Willkommen zurück’, aber die waren ja nur ein Jahr in Los Angeles. Aus Sicht der Rams war es super wichtig, dass das Team ein Jahr vor den Chargers nach L.A. ist. Damals gab es ja noch gar kein NFL-Team in der Stadt. Ich glaube, dass damals viele der neutralen Fans zu Rams-Fans geworden sind. Die Chargers kamen dann ein Jahr später – und da ist es natürlich schwer, Fans zu gewinnen und von den Rams abzuwerben.

Aber bei den Rams ist das Stadion auch noch nicht voll.

Luis Dubreil: Das stimmt. Anfang der vergangenen Saison waren die Zahlen höher. Das Team hat dann leider immer auf die Mütze bekommen, das wollte keiner sehen, deswegen gingen die Zahlen nach unten. Ich denke, dass es sich jetzt wieder ändert, da die Rams gut spielen. Und 50 bis 60.000 sind immer noch doppelt so viel wie bei den Chargers (lacht). Das StubHub Center, in dem die Chargers spielen, ist ein Fußballstadion, da spielt auch LA Galaxy. Und die Chargers verlangen im Schnitt viel höhere Ticketpreise. Mein Eindruck ist: die Leute sind nicht bereit, das zu zahlen.

Wenn du mit anderen Rams-Fans sprichst: Wie sehen die das?

Luis Dubreil: Zu Amerikanern habe ich leider keinen Kontakt. Aber die Fans in St. Louis sind sauer, das haben die örtlichen Medien berichtet. Wie gesagt, ich denke, der Umzug war richtig. Ich habe auf jeden Fall vor, nach Los Angeles zu gehen und mir ein Rams-Spiel anzusehen.

Die Menschen in L.A. sind offenbar schwer für Football zu begeistern. Wie lässt sich das ändern?

Luis Dubreil: Das steht und fällt mit dem sportlichen Erfolg. Keiner will ein Team sehen, das verliert. Aber bisher läuft es für die Rams in der neuen Saison ganz gut. Vielleicht reicht es ja in diesem oder im kommenden Jahr für die Playoffs.

Titelfoto: “Rams-3” von Dave Herholz / Lizenz: CC BY-SA 2.0